Wahlkampf und Kampf mit sich selbst

Letztes Jahr las ich in einem Buch von David Ogilvy, einer Werbeikone des zwanzigsten Jahrhunderts, die Aufforderung an seine Angestellten während ihres Urlaubs so viel wie möglich zu lesen. Ich arbeite zwar nicht bei Ogilvy aber trotzdem wollte ich meinem Gehirn mal wieder andere Lektüre als ständig diesen Diplomarbeits-Fraß gönnen. Schließlich ist das doch der wahre Luxus im Urlaub: Zeit zu haben für Dinge, die man sonst nicht tun kann. Also egal, ob es das Entspannen ist weil man sich in den schönen Hotels im Süden um nichts mehr kümmern muss, man jedes Freizeitangebot der Urlaubsanlage ausnutzt oder aber sich auf Entdeckungsreise durch das Urlaubsland macht: Während des normalen Alltags fehlt für solche Dinge die Zeit, und genau für solche Dinge hat man Urlaub und fährt weg. Also habe ich mir drei Bücher besorgt und möchte euch meine Meinung dazu schreiben:

David Precht – Wer bin ich, und wenn ja wie viele. Vollkommen überbewertetes Buch. Habe mich die ersten zwei Drittel nur gelangweilt. Gegen Ende hin interessant. Darf Tante Berta sterben und darf ich den dicken Mann von der Brücke schmeißen und wie komme ich nach Vanatu. Mit dem Flugzeug? Welcher Reiseanbieter schickt mich an dieses Urlaubsziel?

Sarah Kuttner – Mängelexemplar. Toller Roman in welchem beschrieben wird wie Karo, End-Zwanzigerin ihre Depressionen er- und durchlebt. Wichtig, dass hier so offen ausgesprochen wird, dass man sich nicht dafür schämen muss und es behandelt werden kann. Habe das Buch verschlungen, gerade ausgeliehen und werde es im Herbst / Winter nochmals lesen.

Eckart von Hirschhausen – Die Leber wächst mit ihren Aufgaben: Amüsant. Hin und wieder mal ein Kapitel und man hat schon wieder ein Strahlen auf dem Gesicht.

Ein Buch welches ich mir für meine Diplomarbeit ausgeliehen habe aber vom Inhalt vielen widerspricht, was man sonst so in BWL-Büchern lesen kann ist von Jim Collins heißt “Der Weg zu den Besten: Die sieben Management-Prinzipien für den dauerhaften Unternehmenserfolg” Hört sich scheiße an. Diese mach genau diese Stufen und dann ist alles toll funktioniert doch weder beim “mit-dem-Rauchen-aufhören” noch beim “Diät-machen” und erst recht nicht in so komplexen Gebieten wie der Unternehmensführung. Aber: Er beschreibt eher die Ergebnisse einer sehr umfassenden Studie und sagt, dass die Firmen deshalb Erfolg hatten und andere nicht und man selbst muss sich sehr stark reflektieren. Zwar habe ich das Buch noch nicht durch aber kann es jetzt schon voll und ganz weiterempfehlen. Beim Buchhändler eures Vertrauens bezahlt ihr nichtmal 12 Euro für diesen Schinken und das ist echt in Ordnung!

In der Werbewelt gab es nun die Meldung, dass es Mediamarkt und ihre Agentur KemperTrautmann es geschafft haben Mario Barth nun für die neue Kampagne zu gewinnen. Schade. Ich mag Olli Dietrich und fand ihn superlustig die letzten zwei Jahre und Mario Barth sagt mir nicht wirklich zu. Toll. Weil KT sicherlich schon richtig starke Ideen hat und der Berliner Komiker vielleicht wenigstens damit brillieren kann. Für die Marke Mediamarkt passt der Weltrekordler (“ne, weißte, Stadion und so, icke, Olympiastadion…”) absolut und im kommenden Weihnachtsgeschäft wird sicherlich auch die generell zur Zeit schwächelnde Unterhaltungselektronik wieder anziehen. Und die IFA welche nun beginnt und die neuen Trends präsentiert wird dafür sorgen, dass bei Fernsehern, Konsolen und sonstigen elektronischen Spielereien auch die Preise noch ein wenig fallen.

Gerne würde ich auch etwas über das unmögliche Verhalten des Sportartikelherstellers JAKO schreiben aber leider sehe ich mich nicht im Stande die möglicherweise entstehenden Anwaltskosten zu bezahlen. Über den sehr gewöhnungsbedürftigen Umgang mit Bloggern und das nicht-verstehen der Regeln im Web 2.0 könnt ihr bei Horizont und den weiter verlinkten Seiten lesen.

Letzten Sonntag waren Landtagswahlen. Manche werden sich über die Ergebnisse gefreut haben und andere nicht. Was mir dabei wieder durch den Kopf geht ist, dass jeder sein eigenes Glück sucht und nicht das beste für die Gemeinschaft. Aber von Anfang an:

Am Samstag habe ich mich während eines gemütlichen Junggesellenabschieds beim Grillen mit jemandem unterhalten welcher meinte er würde die Linke wählen. Die würden was für ihn in seiner Situation tun. Zur Zeit ist er Arbeitslos und über Zeitarbeit will er sich nicht einstellen lassen, was ich auch im gewissen Umfang verständlich finde. Da also die Linke mit ihren populistischen Parolen und sozialistischen Träumereien durch das Land zieht und Menschen fangen will merken diese nicht, dass wenig dahinter steht. Dass dieses Deutschland nicht mehr alles bezahlen kann und die Kohle nicht mehr mit beiden Händen zum Fenster rauswerfen darf (weswegen ich auch den überaus teuren Wählerstimmenkauf der CDU und SPD namens Abwrackprämie nicht gut finde). Sozialhilfe ist eine Grundsicherung und keine Wohlstandssicherung und selbst diese Grundsicherung ist mehr als eine 10-stellige Zahl an Menschen auf diesem Planeten jemals genießen wird. Seien wir dafür dankbar. Jedenfalls ist die große Frage: Sollte ich die Linke wählen weil sie mir mehr bringt oder auch einfach aus Protest – immerhin ist sie besser wie die NPD. Ich denke nein. Weil wenn jeder die Linke wählen würden, ich als mein Verhalten zur gesellschaftlichen Norm ernennen könnte, dann wäre Deutschland in 4 Jahren komplett am Boden. Man muss sich sein handeln gut überlegen. Das naheliegend Beste für einen selbst ist beileibe noch nicht das Beste für die Gesellschaft, also auf lange Sicht auch nicht das Beste für einen selbst.

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